Die Designerin
Schuhe waren für mich nie nur Schuhe
Ich habe mich als Jugendliche sehr lange angepasst.
Nachdem meine Mutter mich mit elf Jahren verlassen hatte, wollte ich vor allem eines: dazugehören. Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen und hatte große Angst davor, alleine zu sein. Also habe ich versucht, möglichst gut reinzupassen.
Irgendwann so sehr, dass von mir selbst kaum noch etwas übrig war.
Bis auf eine Sache.
Meine Schuhe.
Ich war immer diejenige mit den hohen Schuhen. Egal, was die anderen trugen. Sie waren ein kleiner Teil von mir, den ich nie aufgegeben habe.
Vielleicht klingt es ungewöhnlich, aber Schuhe haben mir damals tatsächlich Halt gegeben. Ich hatte oft das Gefühl, nicht wirklich gesehen zu werden. Aber über meine Schuhe konnte ich mich zumindest für einen Moment selbst wieder sehen.
Diese Verbindung ist geblieben.
Ich wollte Schuhe, bei denen es um die Frau geht
Ich liebe schöne Schuhe. Und ich liebe auch große Schuhmarken.
Trotzdem hat mir immer etwas gefehlt.
Bei vielen besonderen Schuhen steht vor allem der Schuh selbst im Mittelpunkt. Ich wollte es andersherum.
Denn Frauen haben ohnehin genug Anforderungen in ihrem Leben. Karriere, Familie, Freunde, Termine, Alltag – und ganz nebenbei sollen wir möglichst auch noch immer gut aussehen.
Ich wollte deshalb keine Marke schaffen, die noch etwas von einer Frau verlangt.
Ich wollte Schuhe schaffen, die für sie da sind.
Die sie begleiten. Die ihr Halt geben. Die mit ihr mithalten. Die ihre Persönlichkeit unterstreichen, ohne sie verändern zu wollen.
Schuhe, die sie ins beste Licht rücken, während sie selbst die Hauptrolle spielt.
"Von einer eigenen Schuhmarke habe ich lange nicht einmal zu träumen gewagt. Heute ist sie Realität."
Vom Gedanken zum eigenen Design
Ich bin Quereinsteigerin.
Schuhe haben mich aber schon mein ganzes Leben begleitet – nicht nur beim Tragen. Mich haben ihre Ästhetik, ihre Konstruktion und die Frage fasziniert, warum sich ein Schuh gut anfühlt und ein anderer nicht.
Im Kopf habe ich Schuhe ständig verändert.
Hier hätte ich die Linie anders gezogen. Dort den Absatz verändert. Eine Farbe ergänzt. Eine Form ruhiger gemacht.
Über viele Jahre habe ich mir Wissen angeeignet und irgendwann beschlossen, all diese Gedanken nicht länger nur im Kopf zu behalten.
Heute verbinde ich meine Ideen und mein Designverständnis mit der Erfahrung meines Produzenten in Italien. Ich bringe die Vorstellung mit – und gemeinsam machen wir daraus einen Schuh.
Ich habe hohe Schuhe nicht nur entworfen. Ich habe in ihnen gelebt.
Bei meinen Designs denke ich zuerst an Eleganz und daran, ob ein Schuh auch in einigen Jahren noch schön sein wird.
Aber genauso wichtig ist mir, wie er sich im echten Leben verhält.
Ich habe selbst jahrelang hohe Schuhe im Berufsalltag getragen. Bin von Termin zu Termin gelaufen, durch lange Arbeitstage, zum Abendessen oder direkt weiter zum After-Work-Event.
Ich weiß, wo ein Schuh drücken kann. Ich weiß, wie wichtig ein sicherer Stand ist. Und ich weiß, dass man gut aussehen möchte, ohne den ganzen Tag darüber nachdenken zu müssen, was man an den Füßen trägt.
Deshalb bekommt gerade der Absatz bei meinen Designs besonders viel Aufmerksamkeit.
Ein schöner Schuh darf auffallen.
Aber er darf dich nicht ausbremsen.
Design fürs echte Leben
Ich habe Schuhdesign nicht einfach nur gelernt.
Ich habe gelebt, wofür ich heute entwerfe.
Ich kenne Tage, an denen alles gleichzeitig passiert. Ich kenne das Bedürfnis, gut auszusehen und sich trotzdem frei bewegen zu können. Ich kenne aber auch die Momente, in denen man ein bisschen mehr Halt braucht.
Und ich kenne das Gefühl, selbst strahlen zu wollen.
Genau das fließt in meine Arbeit ein.
Natürlich steckt auch mein persönlicher Stil in Katharina Valegra. Farbe wird immer dazugehören. Eleganz ebenfalls. Aber meine Kundinnen sollen nicht aussehen wie ich.
Sie sollen aussehen wie sie selbst.
Meine Aufgabe als Designerin ist nicht, dir vorzuschreiben, wer du sein sollst.
Meine Aufgabe ist es, einen Schuh zu entwerfen, der dich dabei begleitet, genau das zu sein.
Katharina Valegra - weil ich mich selbst wähle.